Endlich zu Hause

     
    ... tja und so ging es geradewegs weiter - der Monitor hupte, Mama und Paps sprangen alle zwei Stunden aus dem Bett und ich schlief tief und fest ohne jegliche Probleme, wobei erwähnt sei, dass Paps fast immer der erste war
     
    tagsüber lief alles ziemlich locker, ich habe den beiden den Einstieg in das "normale" Elternsein versucht so einfach wie möglich zu machen - Essen, schlafen, Windeln vollkleckern und abends ein bisschen Wachsein, ohne dramatische Auftritte
     
    doch bereiten der Umfang und die offenen Knochenlücken meines Köpfchens meinen Eltern große Sorgen
     
02.10.   Mami hat eine sprunghafte Vergrößerung des Köpfchens gemessen ( wie sich später herausstellt ein klarer Anwenderfehler) - die beiden zerren mich sofort zum Arzt, bitte nicht schon wieder das ganze Theater
     
05.10.   wir haben einen Termin beim Chirurgen in Stuttgart - es soll über die mögliche Ableitung in die Bauchhöhle ( shunt ) diskutiert werden
Ergebnis: die haben sich bequatschen lassen und ich werde sofort eingewiesen!!!
Jaja, mit mir könnt Ihr's ja machen!!!
wenigstens habe ich ganz gut zugenommen - 3460g
     
06.10.   ab 4Uhr nichts mehr zu essen, nur noch Tee, den gibt mir Mami heimlich, vor allem damit ich die Klappe halte, und ich habe so einen Kohldampf, aber als Mann jammert man da nicht viel
8 Uhr gehts in die Anästhesie und dann wache ich um 11.15Uhr auf, mann ist mir schlecht und schwummerig, dem Unmut muss ich Platz machen, Mama meint ich jammere und sei verstört
seit 10.15Uhr habe ich ein "Organ" mehr - den Shunt, die Ableitung des Hirnwassers in die Bauchhöhle, der Schlauch wird am Rickham-Reservoir angedockt, hinterm Ohr wird ein Ventil eingesetzt, über das der Druck im Hirn per Magnet reguliert werden kann, dann gehts weiter über den Hals, Brust und dann in die Bauchhöhle, der Schlauch ist 30cm zu lang, damit ich in 1 Jahr nicht schon wieder wegen einer Verlängerung operiert werden muss
liege auf der Intensiv - alles nur alte Leute, Omas, die röcheln usw., bin eine Herausforderung und eine Abwechselung fürs Personal
     
07.10.   10 Uhr - so, bin jetzt wieder auf meiner Station, mir gehts viel besser als vorher, irgendwie ist der Druck, den ich die ganze Zeit im Köpfchen hatte weg - endlich kann ich auch mal schreien, ohne, dass mir gleich der Schädel brummt

Mama sagt zum Paps, ich hätte mich seit der OP sehr verändert, würde viel mehr schreien - naja, muss ja ein bisschen was nachholen, hihihi

     
09.10.   seit langem mal wieder 'ne Atempause von 23sec - wollte Mama nur mal ein Erfolgserlebnis verschaffen, hatte das Gefühl, die Fehlalarme frustrieren sie sonst zu sehr
     
    die nächsten Tage sind nicht besonders aufregend, jeden Tag das gleiche:
ich futtere wie ein Scheunendrescher (operiert zu werden kostet einen Haufen Energie) und dann habe ich eine Novität eingeführt - ich schreie einfach ein bisschen, wenn mich Mami wickelt, nur um sie aus ihrem täglichen Trott ein wenig rauszureißen

Paps kommt jeden Abend und manchmal auch morgens, ist ganz schön einsam zu Hause, denn Mami wohnt ja bei mir

14.10.   logische Folge der Fresserei - 3970g
     
16.10.   9.30 Uhr Fäden werden gezogen - wir gehen nach Hause!!! Wieder einmal.
     
    ganz selten halte ich mal die Luft an - ich träume immer vom Tauchen,
außerdem kommt dann auch immer die Mama angerannt und streichelt mich ein wenig

ich mache regelmäßig meine Krankengymnastik, wenn ich Lust habe, wenn nicht, brülle ich einfach und dann lässt man mich sofort in Ruhe
apropos brüllen - ich turne nach Bobath und Castillo Morales, Vojta hätten meine Eltern nicht zugelassen.
     
04.11.   ich wiege 4640g und bekomme meine erste Impfung, fast so erfolgreich wie's tapfere Schneiderlein - 5 auf einen Streich
     
15.11.   mein erster Ausflug mit dem Auto zu "Bekannten" - ich kenne die jedenfalls nicht, also schreie ich meinen Frust heraus, was dann wieder so anstrengend ist, dass ich kaum wieder zu Hause kaputt ins Bett falle
     
    habe inzwischen im Schreien Routine bekommen - will heißen, es erschöpft mich nicht mehr so schnell, allerding sehen mir Mama und Paps zunehmend mitgenommen aus, ob sich das überträgt?
06.12. meine erste große Reise zu Oma und Opa - habe ich gut überstanden ( naja, auf der Rückreise mußte ich ein bißchen brüllen, Paps ist ja soooo langsam gefahren  =(
14.12. zweite 5-fach Impfung
25.12. Weihnachten!!!  .... obwohl... eigentlich ist es mir total wurscht.

weiter >>