3) Was kann man dagegen tun?

Bevor hier auf mögliche Therapien und Behandlungen eingegangen wird, sei eines vorausgeschickt - eine Zerebralparese ist irreversibel, das heißt auf deutsch - unheilbar!!  ( Das zu begreifen hat uns 2 Jahre gekostet ).
Aber das Sprichwort mal rumgedreht: Wo Schatten, da auch Licht - eine Zerebralparese verschlechtert sich nicht weiter!

Dementsprechend sollte man sich auf die möglichen Ergebnisse aller Therapien und Behandlungen einstellen - man kann die Kinder auch mit noch so viel Training nicht "normal machen" - aber je nach Schwere der CP kann man ihnen dabei helfen das Leben um einiges angenehmer gestalten.

Es gibt eine Menge Therapien, die man heutzutage schon machen kann, es bleibt die Frage nach der Effizienz. Jedes Kind ist anders, jedes Kind reagiert anders.

Unserer bisherigen Erfahrungen sind auf den anderen Seiten dargestellt. Nachfolgend sind die verbreitetsten Behandlungsmethoden aufgeführt:

Bobath-Therapie:
(
damit hatten wir begonnen )

Das Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein ganzheitlicher Ansatz, der von unterschiedlichen Fachrichtungen angewandt wird, zum Beispiel Krankengymnasten, Logopäden und Ergotherapeuten. Eltern und andere Bezugspersonen sind in die Therapie miteinbezogen. In der normalen Entwicklung werden primitive Bewegungen und Haltungen zu komplexeren umgewandelt. Ist das Kind aufgrund von cerebralen Schädigungen dazu nicht in der Lage, wird es pathologische Ersatzmuster erlernen, die wiederum zu einer veränderten Sensomotorik und damit Wahrnehmungsstörungen, Fehlstellungen der Gelenke etc führen können. Im täglichen Handling kann das Kind Bewegungserfahrungen sammeln. Damit sollen abnormale Haltungen und Bewegungsmuster verhindert oder abgebaut werden. Dem Nervensystem werden wiederholt richtige Lernangebote als Stimulation entgegengebracht. Verbesserter Muskeltonus, Körperwahrnehmung und Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe sind das Ziel der Therapie.

Castillo Morales-Therapie:
( macht Jannik in Verbindung mit Bobath )

Das Konzept

Die Therapie orientiert sich an der normalen sensomotorischen Entwicklung des Kindes. Propriozeptive Erfahrungen werden durch Behandlungstechniken wie Zug, Druck und Vibration verdeutlicht und die visuelle Orientierung im Raum haltungsstabilisierend genutzt. Die Kinder werden aufmerksamer, offener und motivierter, nehmen ihre Umwelt besser auf, werden fähiger zur Kommunikation und probieren mehr aus.
Es wird intensiv an der Stützfunktion der Füße gearbeitet, die Kinder werden so früh wie möglich vertikalisiert, am bestem am Körper der Eltern.

Das orofaziale Behandlungskonzept (ORT)- Jannik macht diese Behandlung seit Februar 2002

Für das orofaziale Behandlungskonzept (ORT) sammelte Castillo Morales seine Erfahrungen aus der Arbeit mit Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und bei Kindern mit Down Syndrom.
Das Konzept wird heute bei Kindern und Erwachsenen mit verschiedensten sensomotorischen Störungen im Bereich des Gesichtes, Mundes und Rachens angewandt, wie z.B. bei

- Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz,
-
Kindern mit Moebius-Syndrom
-
Patienten mit neurologischen Erkrankungen mit orofazialer Begleitsymptomatik, wie z.B.: neuromuskuläre Erkrankungen, Zerebralparesen, nach Schädel-Hirn-Trauma und Schlaganfall.

Die Therapie setzt exaktes Wissen über die muskulären Verläufe, die verschiedenen Muskelfunktionen, die Entwicklung der physiologischen Funktionen des orofazialen und gesamtkorperlichen Komplexes und die Wechselwirkung dieser Systeme voraus. Sie muß Bedingungen der emotionalen, kommunikativen und sozialen Entwicklung ebenso berücksichtigen wie die Kriterien der Autonomie-Entwicklung des Kindes.

Doman Therapie
(siehe "Therapien/Behandlungen" in Abwandlung nach Dr. Kannegießer-Leitner)

Therapie-Leitsätze

1. Das Gehirn entwickelt sich nicht von selbst, sondern durch Anreize von außen

In der Stammesgeschichte haben sich immer wieder neue Arten entwickelt und vervollkommnet, weil eine veränderte Umwelt es zum Überleben erforderlich machte. Die Steuerungssysteme oder Gehirnbereiche wurden immer differenzierter und komplizierter.


2. Das menschliche Gehirn wiederholt in seinem Aufbau noch einmal die gesamte Stammesgeschichte

Die nacheinander folgenden Schichten im menschlichen Gehirn ähneln der Stufenfolge in der Entwicklung der verschiedenen Arten. Beim Neugeborenen ist vorwiegend die Medulla (das verlängerte Rückenmark) in Funktion.
Bei einem etwa sechsmonatigem Kind kommen Pons und Mittelhirn hinzu (Kriechen und Krabbeln). Das Gehirn entwickelt sich weiter über den unteren Cortex (Affenstadium/Laufen auf zwei Beinen) bis zum vollendeten Cortex (der Mensch denkt, spricht und geht im Kreuzmuster, siehe Abb.).

3. Das Gehirn arbeitet als System

Alle Stufen und Bereiche greifen ineinander. Der Defekt auf einer Stufe kann sich auch auf den nächst folgenden bemerkbar machen. Eine Störung im Pons-Mittelhirn-Bereich (Kriechen und Krabbeln) kann sich ebenso auf das Großhirn auswirken und das Laufenlernen im Kreuzmuster blockieren.
Deshalb muß in Diagnostik und Therapie das System in seiner ganzen Komplexität Beachtung finden.

4. Das Gehirn hat viele Milliarden von Zellen

Nur 10% der Zellen werden genutzt. Die Funktion geschädigter Zellen kann von bisher ungenutzten unter Umständen übernommen werden.

5. Dazu sind intensive, häufige und über längere Zeit gegebene Übungen notwendig als Entwicklungsanreize für das Gehirn.

6. Input - Output

Das menschliche Gehirn bekommt ständig Informationen von außen über seine Eingänge (Input) : Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken. Diese 'Meldungen' werden im Gehirn verarbeitet und führen über die Ausgänge (Output) zu Reaktionen durch Bewegung, Sprache, Handgeschick.

7. In jedem Bereich können Beschädigungen auftreten.

Sie müssen in der Diagnostik erfaßt und in die Therapieplanung mit einbezogen werden. Das neurologische Entwicklungsprofil des British Institute gibt einen groben Überblick über Aufbau und Funktionen der Hirnschichten. Zu differenzierteren Untersuchungen verwenden wir unter anderem den 'Münchner Funktionalen Entwicklungstest' nach Hellbrügge und Pechstein oder das Entwicklungsgitter nach Kiphard.

Vojta-Therapie:

(Diese Therapie haben wir bisher abgelehnt, da Kinder dabei sehr oft weinen, das wollten wir damals Jannik ersparen. Wir werden wohl aber in absehbarer Zeit damit anfangen, wenn man Jannik erklären kann, warum man solche Übungen notwendig sind.)

Das Konzept

Bei der Krankengymnastik nach Vojta werden Reize in bestimmten Körperlagen gesetzt, die motorische Reaktionen des gesamten Körpers auslösen. Dabei wird die gesamte Skelettmuskulatur des Körpers und das Zentralnervensystem in allen angesprochen. Teile der Muskelaktivitäten sind in nahezu allen menschlichen Fortbewegungsarten wiederzufinden, wie Greifen, Umdrehen, Robben, Krabbeln und Gehen. Neben der Skelettmuskulatur wird auch die mimische Muskulatur, die Augenbewegung, der Schluckvorgang, die Blasen-Mastdarm-Funktion und die Atmung aktiviert. Unter der Therapie werden die Reflexbewegungen ausgelöst und können pathologische Ersatzmuster, die aufgrund einer Schädigung des Zentralnervensystems oder des peripheren Nervensystems entstehen oder bereits entstanden sind umgestalten, reduzieren oder sogar verhindern. Bei einem Säugling ist die Formbarkeit des Zentralnervensystems groß und pathologische Ersatzmuster haben sich noch nicht gebildet. Mittels der Reflexbewegungen werden richtige Bewegungen gebahnt. Muskelbewegungen und Bewegungsmuster werden zeitlich vorgezogen angeboten um in der sich entwickelnden Motorik zur Verfügung zu stehen. Die Bewegungen werden nicht geübt, sondern es werden lediglich Muskulatur und motorische Teilmuster trainiert. Zur Ausführung der gesamten Bewegung bedarf es außerdem geistige Reife und Motivation des Kindes.

Petö-Therapie

Das Konzept

Die konduktiv mehrfachtherapeutische Förderung wurde von Prof. Dr. Andras Petö, einem österreichisch-ungarischen Arzt und Bewegungspädagogen, speziell für Cerebralparetiker in den 40er Jahren in Budapest entwickelt.
Petö geht davon aus, daß cerebrale Störungen immer die ganze Persönlichkeit und demnach alle Lernprozesse umfassen. Deshalb müssen die Kinder ganzheitlich behandelt werden. Das geschieht anhand eines Therapieprogramms, daß die verschiedenen bisher zeitlich und räumlich getrennten Therapien zusammenführt und in den Alltag integriert. Eltern und Kinder haben nicht mehr verschiedene auf ein Gebiet spezialisierte Therapeuten, die miteinander koordiniert werden müssen, sondern eine therapeutisch-pädagogische Anlaufstelle, zum Beispiel den Kindergarten.
Ziel der Förderung ist es erlernte komplexe Handlungen in den Alltag integrieren um damit eine größtmögliche Selbständigkeit des Kindes zu erreichen. Die Förderung zeichnet sich also durch einen unmittelbaren Alltagsbezug aus. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Kind als emotionales Wesen mit seiner Persönlichkeit. Die Förderung findet in einer Gruppe statt, so daß der Nachahmungseffekt mit einfließen kann. Je nach Alter der Kinder umfaßt die Konduktive Förderung Beratung der Eltern, stundenweise Förderung, halb- oder ganztägiger Kindergarten sowie Schule.
Konduktive Förderung nach Petö ist in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet und wird nicht unbedingt von den Kassen übernommen.

Botulinumtoxin-Behandlung

Bei dieser Behandlung geht es sich um das gezielte "Schwächen von Muskeln" durch die Injektion einer medizinischen Substanz - dem Botulinumtoxin. Wie der Name schon sagt - ein Gift. Botulinumtoxin, kurz BTX ist das giftigste aller Gifte: "Mit einem Löffel BTX kann man fast alle Einwohner Mitteleuropas umbringen. Schüttet man diese Menge ins Steinhuder Meer, ergibt sich etwa die Mischung, die heute für therapeutische Zwecke genutzt wird." ( Prof. Hans Bigalke ).

Die Wirkungsweise ist derart, dass der Kontakt Muskel-Nerv unterbrochen wird ( Übertragungssubstanz im synaptischen Spalt wird gebunden bzw. deren Freisetzung verhindert. )

Durch gezieltes Spritzen lassen sich selektiv Muskeln "lahm" legen bzw. der Tonus reduzieren.

Die BTX-Wirkung ist irreversibel, wird allerdings innerhalb von etwa 3Monaten kompensiert.

Nach mehrmaliger Behandlung kann eine Bildung von Antikörpern eintreten.

Diese Behandlung ist nicht selbst therapierend, sondern ermöglicht andere Therapien, die aufgrund des übersteigerten Muskeltonus nicht erfolgreich angewendet werden können.